Weniger Bürokratie, mehr Flexibilität – die Politik bewegt sich
Es tut sich was in Berlin. Der Koalitionsausschuss hat am 2. Juli ein Reformpaket verabschiedet – und auch wenn noch nicht alles so gekommen ist, wie die Branche es sich erhofft hatte: Es gibt echte Lichtblicke, die für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel direkt relevant sind. Wir fassen zusammen, was beschlossen wurde – und was das für deinen Alltag bedeutet.
Der DEHOGA sagt: „Vorsichtig optimistisch"
Als „vorsichtig optimistisch" bewertet der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA) die Ergebnisse des Koalitionsausschusses. Es gebe Ansätze, die in die richtige Richtung wiesen – und das nach Monaten, in denen die Branche auf konkrete Entlastungen gewartet hat. Ob und wann daraus tatsächlich spürbare Verbesserungen werden, hängt jetzt von den Gesetzgebungsverfahren ab. Aber drei Punkte sind schon jetzt beschlossen – und die haben es in sich.
Das sind die drei konkreten Entlastungen
Drei konkrete Vorhaben stoßen beim DEHOGA auf Zustimmung: die geplante Ausweitung der steuerfreien Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sowie der angekündigte Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten
Das klingt auf den ersten Blick eher technisch – hat aber ganz praktische Auswirkungen auf deinen Betriebsalltag:
Mehr steuerfreie Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit bedeutet: Deine Mitarbeitenden, die am Wochenende oder an Feiertagen ran müssen, profitieren direkt. Das macht deinen Betrieb als Arbeitgeber attraktiver – gerade in einer Branche, in der das Wochenende zum Kerngeschäft gehört.
Die Abschaffung der Telefonkrankschreibung klingt auf den ersten Blick nach einem Detail, aber wer schon mal versucht hat, kurzfristig Ersatz für einen kranken Mitarbeiter zu organisieren und dabei mit unklaren Situationen umgehen musste, weiß: Klarheit hilft. Klare Regeln machen die Planung einfacher.
Und der Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten? Das ist schlicht Zeit, die du zurückbekommst. Zeit, die du in deine Gäste investieren kannst – statt in Formulare.
Was noch aussteht – und warum die Branche weiter kämpft
Am deutlichsten fällt die Kritik beim Thema Arbeitszeit aus: Der Verband bemängelt, dass die dringend benötigte Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit im Koalitionsausschuss nicht behandelt wurde. 14 Wirtschafts- und Branchenverbände stehen hinter der DEHOGA-Kampagne „Wochenarbeitszeit jetzt" – und das Thema bleibt auf der Agenda.
Auch bei den Minijobs gibt es eine zwiespältige Botschaft: Minijobs bleiben erhalten – gut! Aber die Pauschalsteuer soll von zwei auf fünf Prozent steigen. Das bedeutet in der Praxis höhere Kosten für Arbeitgeber, die auf geringfügig Beschäftigte angewiesen sind. Gerade in der Gastronomie, Hotellerie und im Einzelhandel – wo Minijobs oft unverzichtbar für Saisonspitzen, Wochenenden und Events sind – ist das eine Herausforderung, die man im Blick behalten sollte.
Das große Bild: Die Richtung stimmt
Trotz aller offenen Fragen ist das Signal aus Berlin klar: Die Politik nimmt die Anliegen der Branche ernst. Bürokratieabbau, faire Arbeitsbedingungen, weniger unnötige Pflichten – das sind keine Randthemen mehr, sondern Teil des politischen Diskurses. Und das ist gut so.